Missverständnisse entstehen selten aus Absicht
- Beatrice Tardino
- 24. Apr.
- 1 Min. Lesezeit

Menschen bringen ihre eigenen Erfahrungen, Prägungen und Bedürfnisse in eine Beziehung mit ein. Sie beeinflussen, wie Worte verstanden, Gesten eingeordnet und Reaktionen bewertet werden.
So kann es passieren, dass zwei Menschen dieselbe Situation erleben und doch etwas völlig Unterschiedliches wahrnehmen.
Während die eine Person sich zurückzieht, um Ruhe zu finden, empfindet die andere genau diesen Rückzug als Distanz. Während jemand den Austausch sucht, um Verbindung herzustellen, kann dies beim Gegenüber als Druck ankommen.
Nicht das Verhalten allein ist entscheidend, sondern das, was es im Inneren auslöst.
Gerade dann entsteht leicht das Gefühl, nicht gesehen oder nicht richtig verstanden zu werden. Dabei stehen sich oft keine Gegensätze gegenüber, sondern unterschiedliche Perspektiven auf dasselbe Geschehen.
Ein achtsamer Umgang mit solchen Momenten beginnt damit, die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen.
Was habe ich gehört oder gesehen? Welche Bedeutung habe ich dem gegeben? Was könnte die andere Person gemeint haben?
Oft zeigt sich das erst, wenn wir bereit sind nachzufragen, statt es vorschnell einzuordnen. Wenn es gelingt, diese Fragen offen zu lassen und nicht sofort zu bewerten, entsteht Raum für ein anderes Verstehen.
Missverständnisse müssen Beziehungen nicht schwächen. Sie können auch ein Ausgangspunkt sein, um sich selbst und den anderen besser kennenzulernen.
Voraussetzung dafür ist die Bereitschaft, nicht nur gehört, sondern auch verstanden werden zu wollen und dem anderen dasselbe zuzugestehen.



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